Empfehlungen für die Schweizer Ernährungspolitik

Vom 11. Juni bis am 6. November 2022 tagte der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik zu der Frage: Wie soll eine Ernährungspolitik für die Schweiz aussehen, die bis 2030 allen Menschen gesunde, nachhaltige, tierfreundliche und fair produzierte Lebensmittel zur Verfügung stellt? Dazu haben 85 zufällig aus der Schweizer Wohnbevölkerung ausgewählte Menschen an insgesamt drei Wochenenden, 8-Onlinsitzungen und Lernreisen diskutiert, Vorträge angehört und schlussendlich Empfehlungen formuliert und darüger abgestimmt. Bis im Februar werden sie in Form eines Massnahmenkatalogs an die Politik übergeben.

Lade die kompletten Empfehlungen als PDF herunter.

Die Struktur der Empfehlungen

Durch das Engagement des Bürger:innenrats für Ernährungspolitik sind 126 Empfehlungen* entstanden. Um die Empfehlungen hier übersichtlicher darzustellen, wurden sie nach den Kleingruppen strukturiert, in welchen sie ursprünglich entworfen wurden. 

Lesehilfe:

  • Je 2 Kleingruppen beschäftigten sich mit einem der folgenden Bereichen:
    Gesundheit (G), Umwelt (U), Soziales (S), Wirtschaft (W) und Produktion (P).
  • Innerhalb des gesamten Bürger:innenrats wurden gruppen- und arbeitsübergreifend insgesamt 14 Themenbereiche definiert, wie z.B. G1: Informationen für Konsumenten.
  • Für diese wurden dann Ziele gesteckt, bspw. G1.1, G1.2 und G1.3.
  • Und um diese Ziele zu erreichen wurden entsprechende Empfehlungen formuliert: G1.1.1, G1.2.1, G1.2.2, usw. 

* Version 1.3 (4.1.23): die Empfehlungen sind final (Schreibfehler, stilistische Unkorrektheiten und Verständnisfragen werden laufend korrigiert, u.a. durch eine Redaktionsgruppe des Bürger:innenrats).

In der unterstehenden Grafik werden die unterschiedlichen Ansätze und Hebel der Empfehlungen zusammengefasst:

Hebelgrafik_Bürgerinnenrat_Ernährungspolitik

Gesundheit

G1 Informationen für Konsumenten

G1.1 Informationen auf Etiketten verständlicher und zugänglicher machen

G1.1.1 Der Inhalt der Informationen (Etiketten) muss graphisch reguliert werden, um die Lesbarkeit für alle zu gewährleisten und dem Inhalt (im Gegensatz zu Werbung) eine passende, glaubwürdige und verhältnismässige Wichtigkeit zu verleihen (siehe auch Empfehlung Nr. 3).Dieser Prozess muss einer fortlaufenden Revision unterliegen und an die Entwicklung von Produkten und Produktinformationen angepasst werden.

G1.2 Informationen glaubwürdiger und effektiver machen, damit sie von allen verstanden werden können - von Kindern bis Senioren.

G.1.2.1 Zugang zu umfassenden Informationen über einen QR-Code (und über eine Hotline für Personen ohne Smartphone), der zu einer staatlich geführten Website führt, auf der diejenigen, die ein Produkt auf den Markt bringen, verpflichtet werden alle ernährungsrelevanten Informationen nach demselben Standard offenzulegen. Die Informationen auf dem Etikett müssen wirksam und zugänglich sein, vgl. Beispiel Chile (und andere lateinamerikanische Länder), welche spezielle Symbole verwenden (vier «Symbol-Tags»).
Angenommen mit 86.4%
G1.2.2 Unterstützung von Personen ohne Sachkunde beim Erwerb von Grundkenntnissen und bei der Vertiefung und Aneignung neuer Kenntnisse, die sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln (Plattformen und Ausdrucksweisen werden fortlaufend aktualisiert.)
G1.2.3 Herkunftsdeklaration aller Länder, die in der Vertriebs- und Produktionskette involviert sind, und im Falle von Tieren auch die Rückverfolgbarkeit ihrer Dünger- und Futtermittel (z.B. Soja aus Brasilien auf Schweinsfilet Verpackungen).

G1.3 Umwandlung der aktuellen Marketingkommunikation in konsumentenorientierte und wahrheitsgetreue Produktinformationen. Bei jedem Nahrungsmittel muss angegeben werden, welcher Nährwertbedarf gedeckt wird

G1.3.1 Definition von Beschränkungen und Leitlinien für den Einsatz von Kommunikations- und Marketingtechniken bei der Produktpromotion, um Konsumenten, insbesondere gefährdete Bevölkerungsgruppen, zu schützen.
Angenommen mit 74.6%

G2 Reduktion des Zuckerkonsums

G2.1 Verringerung des Zuckergehalts aller Produkte um 20 % bis 2035 und bei zuckergesüssten Getränken um 50 % (Endprodukt).

G2.1.1 Absenkpfad des Zuckerkonsums definieren.
Angenommen mit 79.7%
G2.1.2 Reduzierter Zucker wird nicht durch ein künstliches Süssungsmittel ersetzt.
G2.1.3 Zucker, der für die Reduktion der Säure des Nahrungsmittels oder für die Konservierung benutzt wird, soll nicht durch künstliches Süssungsmittel ersetzt werden. Nur durch natürliche Süssmittel.
G2.1.4 Bei Importprodukten müssen dieselben Regeln gelten.
G2.1.5 Es gibt Produkte, die nicht (Honig, Ahornsirup) oder überhaupt nicht (Babymilch) ersetzt werden können. In diesen Fällen muss der Konsum massvoll sein.

G2.2 Generelles Verbot des Zusatzes von Zucker bei Produkten, wo kein Zucker zwingend notwendig ist (Milch, Brot, Joghurt, Kinderernährung etc.)

G2.2.1 Label “ohne Zuckerzusatz” auf den Produkten kreieren.
Angenommen mit 79.7%
G2.2.2 Gesetz “ohne Zuckerzusatz” ausarbeiten lassen.

Umwelt

U1 Standortgerechte Landwirtschaft und Förderung der Biodiversität

U1.1 Standortangepasste sinnvolle Nutzung (Zuweisung Produktion nach Zonen → Berg -, Hügel-, Talgebiet)

U1.1.1 Sukzessive Senkung des Futtermittelanbaus um 30% der heutigen bewirtschafteten Fläche bis 2030 durch eine entsprechende Erhöhung der pflanzlichen Lebensmittelproduktion, jedoch ohne Kompensation durch Futtermittelimporte.
Angenommen mit 64.4%
U1.1.2 Rindfleisch-, Ziegen- und Schafproduktion sowie die Haltung von Hühnern und Schweinen sollte standortgerecht, nämlich in den Hügel- und Berggebieten sowie dort im Flachland, wo keine Alternativen bestehen (wie der Anbau von Kartoffeln, Mais, Getreide und Gemüse), beibehalten werden. Hingegen ist in den anderen Gebieten eine sukzessive Reduktion der Tierproduktion anzustreben.
U1.1.3 Landwirt:innen, die (Pilot-) Projekte umsetzen möchten, die zur verbesserten Standortgerechtigkeit beitragen, sollen dabei unterstützt werden. Dies gilt insbesondere, wenn sie sich proaktiv für eine Umstellung oder Verbesserung der Standards einsetzen, aber keine finanziellen Mittel haben. Insgesamt sollen die Subventionen allerdings nicht erhöht werden.

U1.2 Tiere, Pflanzen etc. der roten Liste vor dem Aussterben bewahren

U1.2.1 Unproduktive Flächen (sind in der Datenbank ausgewiesen) auf Landwirtschaftsflächen in Biodiversitätsflächen umwandeln.
Angenommen mit 76.3%
U1.2.2 Sensibilisierung von Konsumenten und Produzenten für die Fragilität des Ökosystems sowie niederschwellige Lösungen für den Biodiversitätsschutz.

U1.3 CO2-Reduktion bei der Lebensmittelproduktion sowie Verarbeitung und Logistik

U1.3.1 CO2-Steuer auf CO2-intensive Lebensmittel einführen und Steuereinnahmen zweckentsprechend verwenden.
Angenommen mit 57.6%

U2 Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft durch finanzielle Anreize

U2.1 Weiterentwicklung von Betrieben in Bezug auf Nachhaltigkeit

U2.1.1 Jeder landwirtschaftliche Betrieb braucht ein Konzept («Geschäftsmodell»), wie er seine Produktion nachhaltig verbessert und auf die Standortgerechtigkeit ausrichtet mit fachtechnischer Unterstützung (Hochschulen, Wissenschaft, lobby-unabhängige Beratung).
Angenommen mit 71.2%
U2.1.2 Betriebsübergreifende Zusammenarbeit in Bezug auf Kreislaufwirtschaft fördern.
U2.1.3 Direktzahlungen bzw. staatliche Mittel sind gebunden an ein Konzept und quantifizierte Ziele. Diese Ziele beziehen sich auf eine Verbesserung der standortgerechten Produktion und eine Reduktion von:
  • Emissionen,
  • schädlichen Bodeneinträgen inkl. Verdichtung (Umweltverträglichkeitsprüfung),
  • nicht regional wiederverwerteten Abfällen und
  • Energieverbrauch (sowie Umstellung auf erneuerbare Energien).

U2.2 Klare Nachhaltigkeitskriterien für Direktzahlungen und weitere staatliche Mittel, z.B. Werbung, Absatzförderung, etc.

U2.2.1 Flächenbindung der Direktzahlungen abschaffen.

Angenommen mit 89.8%
U2.2.2 Direktzahlungen auf Gewässerschutz, Tierwohl, faire Arbeitsbedingungen, Pestizideinsatz und Umwelteinfluss ausrichten.
U2.2.3 Umfassende Überprüfung aller Zahlungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Standortgerechtigkeit.
U2.2.4 Tierfutter aus der Landesregion wird gefördert (standortgerecht, kurze Wege).
U2.2.5 Keine Direktzahlungen für Fleischproduktion mit importiertem Kraftfutter.

U2.3 Effiziente, überschaubare (wenige, fokussierte), und verständliche, finanzielle Anreize für Landwirtschaft

U2.2.1 Regelmässige Befragung der von Gesetzen / Auflagen / etc. Betroffenen zur Verständlichkeit und Verhältnismässigkeit des Aufwands für den Erhalt von Direktzahlungen.
Angenommen mit 76.3%
U2.3.2 Verbesserung / Elimination der «schlechtesten», «ineffizientesten» Gesetze / Auflagen / etc. (Vereinfachung und drastische Reduktion).

U3 Food Waste reduzieren

U3.1 Abnahme der Produkte ausserhalb der Norm durch Zwischen- und Grossverteiler erhöhen

U3.1.1 Gemüse und Früchte, so wie sie wachsen (gross, klein, krumm, etc.) kaufen, weiterverarbeiten und verkaufen.
Angenommen mit 98.3%
U3.1.2 Deregulierung von Normen (z.B. Normen von Grossverteilern bezüglich Durchmesser von Zwetschgen oder Länge von Gurken, Form von Karotten und Kartoffeln).
U3.1.3 Nebenprodukte verwenden (z.B. Karottenkraut als Suppengemüse).

U3.2 Reduktion des Wegwerfens von Lebensmitteln

U3.2.1 Herstellende dazu verpflichten, die sinnvolle Mindesthaltbarkeit alle drei Jahre zu überprüfen und nach Möglichkeit zu verlängern.
Angenommen mit 93.2%
U3.2.2 Vorschrift einführen, dass offene Ware ohne Ablaufdatum, wie z.B. Brot vom Vortag, am nächsten Tag günstiger verkauft werden muss.
U3.2.3 Essensabfälle der Gastronomie sollte man als Schweinefutter verwenden dürfen.

U3.3 Reduktion des Wegwerfens von Lebensmitteln beim Endkonsumenten

U2.3.1 Sensibilisierung des Konsumenten, wann Lebensmittel trotz überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum dennoch nicht gesundheitsgefährdend sind, sondern lediglich die Haftung des Herstellers in die Eigenverantwortung des Konsumenten übergeht.
Angenommen mit 98.3%

U3.4 Bedarfsgerechte Mengen für alle Haushaltsgrössen anbieten

U3.4.1 Förderung von unverpackten Lebensmitteln (z.B. Offen-Verkauf).
Angenommen mit 100%
U3.4.2 Fairer Preis für kleine Portionen
U3.4.3 Mehrwegverpackungen fördern

Produktion

P1 Ausgewogene Ernährung fördern, mehr pflanzliche Nahrung

P1.1 Einen respektvollen Umgang mit Lebensmitteln vermitteln

P1.1.1 Im Kochunterricht in der Schule auf Vorteile der pflanzlichen Nahrung hinweisen.
Angenommen mit 94.9%
P1.1.2 Nose to Tail (restlose Verwertung eines Tiers) an Konsumenten vermitteln.

P1.2 Produktion pflanzlicher Lebensmittel fördern

P1.2.1 Pflanzliche Nahrungsmittel auf dafür geeigneten Flächen anbauen, anstelle der Nutzung dieser Flächen für Futtermittel. Für die Bodenqualität soll die Fruchtfolge im Auge behalten werden.
Angenommen mit 84.7%

P1.3 Internalisierung externer Kosten

P1.3.1 Ressourcenverbrauch und Emmissionskosten in Herstellungskosten einbeziehen.

Angenommen mit 83.1%

P1.4 Nachfrage kreieren statt Produktion verbieten

P1.4.1 In der Schweiz angebaute und produzierte Fleischersatzprodukte weiterentwickeln.
Angenommen mit 67.8%

P1.5 Tiergerechte Haltung

P1.5.1 Standortangepasste Rassenauswahl (nicht hochzüchten, Zweinutzungsrassen fördern).

Angenommen mit 98.3%

P1.6 Inländischen Stoffkreislauf schliessen

P1.6.1 Anzahl Tiere müssen an die vorhandene landwirtschaftliche Nutzfläche angepasst werden: DGVE/ha (Düngergrossvieheinheit pro Hektare) senken.
Angenommen mit 76.3%
P1.6.2 Massive Reduktion von Mineraldüngerimporten.
P1.6.3 Errichten einer schweizerischen Plattform («Tutti» für Landwirtschaft), um Hofdünger anzubieten.
P1.6.4 Label für Fleischproduktion ohne importierte Futtermittel.
P1.6.5 Prämie für die Erzeugung von Fleisch ohne importierte Futtermittel.

P1.7 Fruchtfolgeflächen zwingend erhalten

P1.7.1 Fruchtfolgeflächen konsequenter schützen.

Angenommen mit 78%

P1.7.2 Kulturflächen erhalten.

 

P1.8 Keine Genmanipulation weder an Pflanzen noch an Tieren

P1.8.1 Am Gentech-Moratorium zwingend festhalten.
Angenommen mit 66.1%

P2 Saisonale & standortangepasste, regionale Produkte fördern

P2.1 Konsumenten sind über Auswirkungen und Sinn der standortangepassten, regionalen und saisonalen Ernährung informiert / Nachfrage sollte hin zu standortangepassten, regionalen und saisonalen Produkten verschoben werden

P2.1.1 Konsumenten über Auswirkungen und Sinn saisonaler und standortangepasster, regionaler Produkte informieren.
Angenommen mit 100%

P2.2 Produzenten müssen informiert sein, um standortangepasst, regional und saisonal produzieren zu können (Standortwissen)

P2.2.1 In der Grundausbildung und bei Weiterbildungskursen die standortgerechte und standortangepasste Produktion stärker in den Fokus stellen und generell die Sensibilisierung fördern.
Angenommen mit 94.8%
P2.2.2 Wissensvermittlung zur Wachstumsförderung ohne Pestizide (z.B. Nützlinge, nützlicher Standort).
P2.2.3 Wissensvermittlung zwischen und von den Landwirten und Wissenschaft (z.B. neue Produkte, Erfolgsrezept, Landkarten zur Standortbestimmung).
P2.2.4 Bestehende, unabhängige Datenbanken / Plattformen mit Wissen über standortgerechte, saisonale und regionale Produktion (z.B. passende Sorten, standortangepasste Pflanzen, Bodenbeschaffenheit, Wasserqualität und -quantität), die von unabhängigen, unterstützenden Organisationen (keine Finanzierung durch Interessengruppen) betrieben werden, zusammenschliessen und Zugang ermöglichen.

P2.3 Produktion nachhaltiger Produkte

P2.3.1 Förderung des Anbaus und Konsums von nachhaltigen Produkten.

Angenommen mit 100%

P2.4 Förderung (bewährter und neuer) regionaler und saisonaler Produkte

P2.4.1 Wissenschaftliche Entwicklung und Sammlung praktischer Erfahrungen von neuen Produktionsmethoden soll gefördert werden.
Angenommen mit 96.6%
P2.4.2 Verteilung und Zugang geeigneter Samen für den nachhaltigen und standortangepassten Anbau (z.B. Zugang zu Eigentum / Patentgeschütztem Saatgut sowie Unterstützung und Schutz von lokalen Saatgut-Produzenten).
P2.4.3 Finanzielle Unterstützung von Kleinproduzenten, die neue Systeme lokal entwickeln / testen wollen (Direktzahlungen oder andere Unterstützung).
P2.4.4 Anbau neuer, resilienter und bewährter Produkte, die regional, standortangepasst und saisonal angebaut werden können, unterstützen (z.B. Leguminosen, Mangos, Reis im Tessin).
P2.4.5 Abhängigkeit von Grossproduzenten von Düngemitteln und Saatgut vermeiden (Monopol).
P2.4.6 Produktion entsprechend der Bodenbeschaffenheit. Übernutzung von Böden vermeiden.

Zerstörung der Kohlenstoffvorräte im Boden und der Bodenstruktur vermeiden.

P3 Faire Entlohnung der Produzenten

P3.1 Stärkung der Marktmacht von Produzierenden (landwirtschaftliche Betriebe, insbesondere auch kleinere Höfe)

P3.1.1 Betriebswirtschaftliche Kompetenzen von Produzierenden stärken und unterstützen.
Angenommen mit 98.3%
P3.1.2 Staat fördert Transparenz und Fairness bei der Festlegung der Abnahme- und Verkaufspreise in Verhandlungsprozessen.

P3.2 Risiken in der Produktion durch den Staat abbauen / abfedern

P3.2.1 Abnahmegarantien langfristig vereinbaren, um Risiken für Produzierende zu reduzieren.
Angenommen mit 71.7%
P3.2.2 Förderung von neuen Formen landwirtschaftlicher Produktion (wie z.B. solidarische Landwirtschaft, Genossenschaften, Kooperativen).

P3.3 Ein existenzsicherndes und faires Einkommen sichern

P3.3.1 Der Staat schafft die Voraussetzungen, dass der Produzent Direktzahlungen und andere Entschädigungen erhält, die ihm zusammen mit den Verkaufserträgen, entsprechend der geographischen bzw. topographischen Produktionsmöglichkeiten, ein existenzsicherndes Einkommen garantieren.
Angenommen mit 78.3%
P3.3.2 Es ist mit verbindlichen Rahmenbedingungen sicherzustellen, dass produzierende und weiterverarbeitende Betriebe basierend auf der Leitidee «regional, saisonal und standortangepasst» mit einer zielführenden Produktionsplanung und kostendeckenden Vermarktungsmöglichkeiten ein gesichertes Einkommen generieren können.
P3.3.3 Der Staat unterstützt Betriebe, die für eine nachhaltige Produktion den bisherigen Betriebsablauf umstellen müssen und nicht über die entsprechenden Eigenmittel verfügen.

Soziales

S1 Rolle der Grosskonzerne

S1.1 Mehr Saisonalität und Regionalität der Produkte

S1.1.1 Das Angebot auf mehr Saisonalität ausrichten (z.B. keine Erdbeeren im Winter).
Angenommen mit 100%
S1.1.2 Saisonale Produkte hervorheben, welche die Sichtbarkeit und das Verständnis der Verbraucher für die Vorteile des Konsums von saisonalen Produkten erleichtern (im Geschäft selbst, auf der Online-Plattform, in Restaurants / bei Mittagstischangeboten…).
S1.1.3 Saisontabellen an Konsumenten verteilen / im Laden gut sichtbar zur Verfügung stellen.
S1.1.4 Saisonale Rezepte zur Verfügung stellen.
S1.1.5 Importe ausserhalb der Saison regulieren (Schweizer Lebensmitteln den Vorzug geben).
S1.1.6 Sensibilisierung der Konsumenten (z.B. mit «Kochen vor Ort»).
S1.1.7 Die Informationen über den Import sollten transparent sein, wenn der Verbraucher seine Wahl für den Kauf des Produkts trifft (z.B. über ein QR-Code-Etikett).

S1.2 Transparenz optimieren zu Herkunft, Produktionsbedingungen, Transport, (Energie, Label, Nutriscore +), Preis, Gewinnmargen

S1.2.1 Labels auf soziale Aspekte ausrichten, z.B. auf die Einhaltung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsumfelds, z.B. Fair Trade. Verantwortung der grossen Konzerne für die Einhaltung der Arbeitsbedingungen in den Lieferketten.
Angenommen mit 80.6%
S1.2.2 Vereinheitlichung von Labels auf nationaler Ebene.
S1.2.3 Importierte Produkte müssen denselben Label-Standards unterliegen wie Produkte in der Schweiz.

S1.3 Grosskonzerne müssen substanziell zur Ernährungssicherheit beitragen

S1.3.1 Grosskonzerne müssen vermehrt auch mit kleineren nachhaltigeren (Pionier-)Projekten arbeiten und Kleinproduzenten vermehrt berücksichtigen.
Angenommen mit 79%
S1.3.2 Daten, die von den Verteilern gesammelt werden (z.B. via Cumulus) den Konsument:innen zur Verfügung stellen, damit sie alle Infos zu ihrem Konsum haben und besser informiert sind.
S1.3.3 Appell an Aktionäre und Genossenschafter, um ethische Entscheidungen einzufordern / umzusetzen. Mehr Selbstverantwortung (Ethik, Konzernleitung und Aktionariat / Genossenschafter) durch Grossverteiler. Wie beispielsweise die Initiative zum Verkauf von Alkohol und Tabak bei Migros.

S1.4 Günstigere Preise für Bio / gesunde Lebensmittel als ungesunde / nicht nachhaltige

S1.4.1 Erlaubnis für Landwirte, ihre Produkte im Direktverkauf (z.B. Wochenmarkt) auch unter dem Verkaufspreis bei Grossverteilern anzubieten (heute wird dies von den Grossverteilern nicht erlaubt).
Angenommen mit 96.7%

S1.5 Sozialer Handel

S1.5.1 Gewinnmargen umverteilen, z.B. durch faire Bezahlung der Mitarbeiter und der Akteure in der Lieferkette.
Angenommen mit 70%

S2 Bildung & Sensibilisierung der Öffentlichkeit

S2.1 Aufklärung der neuen Generationen über gesunde und nachhaltige Ernährung

S2.1.1 Ernährung als obligatorisches und eigenes theoretisches und praktisches Fach (nicht in ein anderes Fach integriert), eine Unterrichtseinheit / Woche in mindestens allen Jahren der obligatorischen Schulen. Der Unterricht wird von Lehrpersonen abgehalten, mit Beiträgen von Fachleuten aus dem Sektor (z.B. Ernährungswissenschaftler, Produzenten, Ärzte, Köche usw.). Es muss darauf geachtet werden, dass der Inhalt der Kurse unabhängig ist und nicht von der Lobby des Sektors beeinflusst wird.  
Angenommen mit 68.3%
S2.1.2 Diversifizierung des Produktangebots in den Pausen der Schulen, insbesondere lokale und gesunde Produkte anbieten (z.B. Obst, Käse).
S2.1.3 Verbindlicher Auftrag im Lehrplan: Kinder durch aktive Tätigkeit in die Wertschöpfungskette von Lebensmitteln einbinden (z.B. Schulgarten oder Herstellung von Käse).

S2.2 Sicherstellen, dass Gesundheitsfachkräfte über ein solides Wissen über Ernährung verfügen

S2.2.1 Ernährung als Pflichtfach im Medizinstudium und in anderen Ausbildungsgängen im Gesundheitsbereich.
Angenommen mit 75.8%
S2.2.2 Gewährleistung der Unabhängigkeit der in ernährungsbezogenen Ausbildungsgängen (z.B. Ernährungswissenschaftler, Ärzte) vermittelten Konzepte zu Lebensmitteln / Ernährung, d.h. Regulierung des Einflusses von Branchenlobbys.

S2.3 Der Bevölkerung den Zugang zu unerlässlichem Wissen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung ermöglichen

S2.3.1 Sicherstellen, dass die gesamte Bevölkerung Zugang zu Ernährungsberatung hat, indem die Beratung für alle in die Krankenkasse aufgenommen wird, ohne dass die Prämien erhöht werden.
Angenommen mit 52.5%
S2.3.3 Nationale Sensibilisierungskampagnen für eine gesunde und nachhaltige Ernährung mithilfe verschiedener und geeigneter Kommunikationsmittel entwickeln.

S3 Ernährungsverhalten verstehen und gezielt handeln

S3.1 Diversifizierung des Lobbyismus

S3.1.1 Aktiv auf lokale Gruppierungen eingehen, die keine stark organisierte Lobby haben, wie z.B. Familien sowie ältere Menschen, und deren Interesse in der lokalen Politik stärker vertreten. So soll für die Entwicklung der Lösungen beim Ursprung angesetzt werden.
Angenommen mit 79%
S3.1.2 Kaufentscheidungen und -prämissen der Bürger:innen besser verstehen, darauf aufbauend spezifische Kampagnen starten.

S3.2 Schaffung der politischen Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft

S3.2.1 Big Data der Grossverteiler anonymisiert der Forschung zur Verfügung stellen.
Angenommen mit 66.1%
S3.2.2 Wissenschaftliche Forschung zum Ernährungsverhalten der Bevölkerung stärken.
S3.2.3 Strukturen schaffen für eine gezielte Zusammenarbeit der Marktforschung und wissenschaftlichen Forschung.
S3.2.4 Die Ergebnisse der Forschung werden für die Politik zugänglich gemacht.

Wirtschaft

W1 Förderung gesunder und nachhaltiger Lebensmittel durch Preispolitik, finanzielle Anreize

W1.1 Gesunde und nachhaltige Lebensmittel finanziell erschwinglicher machen

W1.1.1 Einführung eines Systems von Lebensmittelgutscheinen / Zuwendungen, die nur für Lebensmittelprodukte verwendet werden können, die als nachhaltig und gesund gelten für Personen, die bereits staatliche Unterstützung erhalten oder sich in einer prekären Situation befinden.
Angenommen mit 66.1%
W1.1.2 Preise an die Nachhaltigkeit der Produkte und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit anpassen.
W1.1.3 Ermutigung der Nahrungsmittelindustrie und der Grossverteiler, ihre Gewinnspannen bei nachhaltigen und gesunden Produkten zu überprüfen.
W1.1.4 Anreize für die Nahrungsmittelindustrie schaffen, um unnötige Kosten (z.B. Zweitverpackungen für Marketingzwecke oder andere vermeidbare Kosten) im Zusammenhang mit Lebensmitteln zu reduzieren, um gesunde / nachhaltige Lebensmittel zu niedrigeren Kosten anbieten zu können.

W1.2 Über die Gemeinschaftsverpflegung eine gesunde und nachhaltige Ernährung fördern

W1.2.1 Die Empfehlungen des BAFU
  • Empfehlungen für die nachhaltige öffentliche Beschaffung im Bereich Ernährung
  • Empfehlungen für die ökologische öffentliche Beschaffung
und des BLV im Rahmen der Gemeinschaftsgastronomie umsetzen, wenn diese von der öffentlichen Hand unterstützt / subventioniert wird (z.B. Schulen, Spitäler, Pflegeheime, Polizei, etc.).
Angenommen mit 93.5%
W1.2.2 Die Gemeinschaftsgastronomie dazu anregen, Instrumente zur Überwachung (z.B. www.nutrimenu.ch) der Auswirkungen der Mahlzeiten in Bezug auf Ernährungsqualität und Nachhaltigkeit einzuführen (z.B. Ecoscore, Nutriscore auf den Speisekarten).
W1.2.3 Initiativen hervorheben, die in Richtung einer gesunden und nachhaltigen Ernährung gehen.

W1.3 Ermutigung der Grossverteiler und der Nahrungsmittelindustrie, den gesunden und nachhaltigen Konsum zu fördern

W1.3.1 Forderung nach mehr Preistransparenz auf der Verpackung (evtl. über einen QR-Code) über die Verteilung der Kosten und der Margen zwischen Produzenten und Händlern.
Angenommen mit 59.7%
W1.3.2 Die Verteilung der Gewinnspanne auf Lebensmittel zwischen Produzenten, Verarbeitern und Händlern gerechter regeln.
W1.3.3 Preisanpassung durch Steuern für importierte Produkte, um den Konsum von gesunden und nachhaltigen Schweizerprodukten zu fördern.
W1.3.4 Werben mit der «Schweizer Qualität» bei den Konsumenten (Kommunikation), um den Konsum von Schweizer Produkten im Vergleich zu importierten Produkten zu fördern.
W1.3.5 Einführung von Steuern für die Nahrungsmittelindustrie und die Händler auf verarbeitete Produkte, die gesundheitsschädlich sind oder hohe Umweltkosten verursachen, um den Verkauf dieser Produkte zu erschweren.

W1.4 Wertschätzung von gesundem und nachhaltigem Konsum durch finanzielle oder materielle Belohnungssysteme

W1.4.1 Im Rahmen bestehender Treueprogramme von Einzelhändlern (Cumulus etc.) das Gutschein- und Promotionssystem nutzen, um den Konsum von gesunden und nachhaltigen Produkten zu fördern und Gutscheine anzubieten, die nur für diese Produkte verwendet werden können.
Angenommen mit 71%

W1.5 Stärkung einer für Menschen, Tiere und Böden gesünderen Produktion (z.B. weniger Pflanzenschutzmittel und Antibiotika)

W1.5.1 Vorbeugende Behandlung von Böden und Tieren (Antibiotika, Pflanzenschutzmittel) vermeiden. Analysen zur Minimisierung des Bedarfs an Pflanzenschutzbehandlungen vereinfachen / unterstützen.
Angenommen mit 90.3%
W1.5.2 Einführung eines Versicherungssystems für Landwirte für Produktionsverluste infolge reduzierter Pflanzenschutzmittel- und Antibiotikabehandlungen.
W1.5.3 Das System der Direktzahlungen sollte vorrangig eine Produktion belohnen, die Menschen, Tiere und Böden achtet.
W1.5.4 Förderung von Transparenz über die verwendeten Produkte seitens der Produzenten, damit die Verbraucher informiert sind, und / oder das Labelsystem in diesem Sinne vereinfachen.

W2 Werbung & Marketing

W2.1 Vorhandene öffentliche Marketingmittel im Sinne der Information und Aufklärung einsetzen

W2.1.1 Die von der öffentlichen Hand eingesetzten Informations- und Werbemittel auf allen Kommunikationskanälen sollen gebündelt und hauptsächlich für die Förderung einer gesünderen Ernährung eingesetzt werden.
Angenommen mit 90%
W2.1.2 In der ganzen Schweiz einen vereinheitlichten Schulunterricht zu gesunder und nachhaltiger Ernährung einführen und vermitteln (z.B.: Ernährungspyramide).

W2.2 Fehlanreize verhindern und Marketing als «erzieherischer» Einfluss

W2.2.1 Werbeverbot für besonders gesundheitsschädigende Produkte, z.B. mit über 50% Zuckeranteil (→ analog Tabakwaren) sowie für Maxi-Packungen.

Angenommen mit 75.8%
W2.2.2 Zielgruppengerechte Werbung auf allen Kanälen, z.B. Instagram, Tik Tok, Kundenzeitschriften, «schwarzes Brett», Konsumentenschutzorganisationen (Kassensturz…).

W2.3 Saisonale / regionale Aktionen der Detailhändler

W2.3.1 Ein substanzieller Anteil der Marketingaktionen der Detailhändler muss sich auf saisonale / regionale Produkte beziehen. Für Aktionen, welche zum Zweck haben, Food Waste zu vermeiden, können Ausnahmen vorgesehen werden.
Angenommen mit 85%

W3 Ethik

W3.1 Anwendung / Überarbeitung schweizerischer Ethiknormen in Bezug auf die Ernährungspolitik

W3.1.1 Ethikthemen im Zusammenhang mit Ernährung (z.B. Food Waste, Einkommensentwicklungen von Produzenten, Preis der Ernährung) durch Experten überarbeiten.
Angenommen mit 76.7%
W3.1.2 Im Schweizer Bildungswesen vermehrt Ethiknormen vermitteln und weitergeben.
W3.1.3 Ethiklabel sowie Awards für ethisches Handeln. Diese sollen an gewisse Bedingungen geknüpft werden, Mindeststandards erfüllen sowie an Verpflichtungen geknüpft sein.

W3.2 Weiterverwendung von pflanzlichen Abfällen und Reduzierung von Food Waste

W3.2.1 Kompostproduktion fördern (private Haushalte), indem die Anzahl der Sammelstellen für Grünabfuhr erhöht wird durch Gemeinden und Food Waste Verursacher.
Angenommen mit 91.7%

W3.3 Wertschätzung und Verständnis für Nahrungsmittelproduktion und Produzenten erhöhen / Produktion sichtbar machen

W3.3.1 Das Bundesamt für Landwirtschaft soll ein Programm entwickeln, welches den Landwirten die Möglichkeit gibt, interessierte Mitbürger zu einem Besuch einzuladen. Diese Dienstleistung der Landwirte soll finanziell abgegolten werden. Dieses Programm soll direkt und breit an die Bevölkerung kommuniziert werden, damit diese einfach teilnehmen kann.
Angenommen mit 71.7%