Jetzt wird aufgetischt!

Wie soll eine Ernährungspolitik für die Schweiz aussehen, die bis 2030 allen Menschen gesunde, nachhaltige, tierfreundliche und fair produzierte Lebensmittel zur Verfügung stellt? Mit dieser Frage beschäftigt sich der erste schweizweite Bürger:innenrat für Ernährungspolitik, der Mitte Juni seine Arbeit aufgenommen hat 

Aktuelles aus dem Bürger:innenrat

Im Sommer 2022 unternahm der Bürger:innenrat für Ernährungspolitik Lernausflüge in der ganzen Schweiz. Einer dieser Lernausflügen führte ins Tessin. Dort lernte ein Teil des Bürger:innenrats das Lebensmittelhandwerk Tigusto sowie den Gemeinschaftsgarten Lortobio kennen.

«Ich finde das Projekt enorm wichtig, weil es uns erlaubt, uns als Bürger:innen direkt einzubringen – mit unseren Meinungen und unseren Werten. Ich finde, das passiert sonst nicht genug.»

Kim
Teilnehmerin Bürger:innenrat
«Ich wohne im Berggebiet und es ist interessant für mich, mit Menschen aus den Städten in Kontakt zu kommen und ihre Meinungen zu hören. Ich bin gespannt darauf, was wir gemeinsam erarbeiten können.»
Clemens
Teilnehmer Bürger:innenrat
«Es gefällt mir, dass man sich Zeit nimmt, über ein Thema nachzudenken. Das tut man im Alltag in der Regel nicht. So haben wir die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen und die ganze Komplexität des Problems zu verstehen.»
Marija
Teilnehmerin Bürger:innenrat

Der Bürger:innenrat ist eine zufällig ausgewählte Gruppe aus der Schweizer Wohnbevölkerung. Mittels Vorträgen, Wissenschaft-lichen Inputs und Lernausflügen erarbeiten sich die Teil-nehmenden ein Grundverständnis des Schweizer Ernährungs-systems. Mit diesem Wissen führen die Teilnehmenden dann über mehrere Wochen hinweg Dialoge in Kleingruppen und bringen dort ihre ganz persönliche Stimme ein. Basierend darauf verfasst der Bürger:innenrat Empfehlungen für die Schweizer Ernährungs-politik und übergibt diese im Rahmen des Schweizer Ernährungs-ystemgipfel am 2. Februar 2023 Politik, Verwaltung und Praxis.

«Bürger:innenräte können demokratisch gewählte Instanzen ergänzen und bereichern.»

 

Nenad Stojanović
    Politologe Universität Genf  

Das Besondere an Bürger:innenräten ist, dass die Teilnehmenden zufällig aus der Bevölkerung ausgelost werden. So kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen zusammen. Zum Beispiel sitzen Köch:innen neben Kindergärtner:innen, und Rentner:innen neben Jugendlichen. Dahinter steht die Idee, dass eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen zu vielfältigeren und breiter akzeptierten Lösungen kommt als eine Gruppe von einander ähnlichen Menschen. So können die vom Bürger:innenrat erarbeiteten Empfehlungen als wertvolle Entscheidungshilfe für Politiker:innen bei komplexen Themen dienen.

Bürger:innenräte sind eine Bereicherung und eine Ergänzung zu den aktuellen politischen Abläufen. Sie tragen dazu bei, gesellschaftliche Spaltungen zu überwinden und insbesondere politisch wenig beteiligte Bevölkerungsgruppen stärker miteinzubeziehen.